Mosaiksteine zur Geschichte der HAG-Villenkolonien in Nikolassee und Schlachtensee III

 

Heimstätten-Aktien-Gesellschaft (HAG)

 

 

1895/96 1899 1900 1901
 
1902 1903 1905
 
 

Schon damals gab es Werbung: Titelblätter von HAG-Prospekten, in denen oft farbig die Bauprojekte dargestellt und angepriesen wurden, teilweise unter Angabe der Kosten und Wiedergabe der Grundrisse. Zusätzlich gab es Plakate, die auf das Erscheinen des neuen Prospektes hinwiesen. Diese Broschüren schildern anschaulich die Entwicklung der Kolonie Nikolassee, enthalten aber auch zahlreiche „Projekte“ in Karlshorst, wo die Bautätigkeit der Gesellschaft mit ihrem Baumeister Oskar Gregorovius begann, Schlachtensee-Ost und Schlachtensee-West. Hier errichtete die HAG 1899/90 in der heutigen Matterhornstraße 84 ihr „Baubureau“, bevor sie in ihr 1903/04 erbautes „Geschäftshaus“ am Nikolasseer Hohenzollernplatz 3 umzog. Die HAG, die ihren Sitz in der Linkstraße 4 in Mitte (spätere Bellevuestraße 5 in Tiergarten) hatte, war von Anfang an eine gewinnorientierte Kapitalgesellschaft und hat mit der im April 1924 gegründeten GEHAG Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft (Stichwort „Bruno Taut“) nichts gemeinsam, wie in einigen Archiven fälschlich katalogisiert wird.

Ein weiterer Service war, dass der Bauherr ein Modell seines zukünftigen Hauses erhielt und es ihm „schlüsselfertig“, auf Wunsch sogar mit kompletter Inneneinrichtung, übergeben wurde.

 

Matterhornstr. 84, das frühere „Baubureau“ – werbewirksam in der Heimstättenstraße 1

Modell des Hauses An der Rehwiese 2

Modell Walthari- Ecke Tristanstraße

Im Prospekt von 1904 gibt die HAG die Zahl der von ihr ausgeführten Bauten in Karlshorst, Mahlow, Schlachtensee und Nikolassee mit rd. 300 an und die Zahl der verkauften baureifen Grundstücke („Holzungen“) mit 539. 1905 waren allein in Nikolasse 77 Villen bezogen bzw. in Bau begriffen. Bei den Häusern handelte es sich anfangs nicht selten um so genannte „Sommerhäuser“, deren Bewohner die kühlere Jahreszeit in Berlin verbrachten.

Von Anfang an unterhielt  die HAG ein eigenes Architektur- und Baubüro. In den Berliner Adressbüchern werden von 1897 bis 1900 Hugo v. Krottnaurer in der Schlachtenseer Waldemarstraße 47 als Baumeister, in der Heimstättenstraße 1 im Jahr 1901 der Architekt Johann Roesler, 1902 der Architekt Paul Pohl und 1903 der Architekt Heinrich Lange genannt sowie 1904–1906 der Bauführer Arthur Striowsky, der ab 1905 mit Wohnsitz im Neubau Hohenzollernplatz 3 (nebenstehende Ansicht) aufgeführt ist, dem von 1907 bis 1934 der Architekt Carl Hoppe folgte.

Die HAG wurde am 2.1.1934, knapp 40 Jahre nach ihrer Gründung, aus dem Handelsregister des Amtsgerichts Charlottenburg gelöscht; die alten Handelsregisterakten sind nicht mehr vorhanden. Ein Rechtsnachfolger ist nicht festzustellen.

Es gibt aber beim AG Charlottenburg eine neue Akte, denn die HAG hatte auf alle von ihr erschlossenen Grundstücke eine Dienstbarkeit eintragen lassen, die besagte, „Krankenanstalten, Irrenanstalten, Gewerbe mit Rauch, Staub, Geruch, Geräuschen, ferner Guts- und Schankwirtschaften“ von der Villenkolonie fernzuhalten. Abweichungen davon bedurften der Genehmigung durch die HAG sowie (und bedürfen noch heute) der Zustimmung der Eigentümer von in der Grundbuchakte benannten Grundstücken in Nikolassee.

Eine weitere im Grundbuch eingetragene Dienstbarkeit besagt, dass der an Straßen oder Plätzen gelegene Teil des Grundstücks in einer Tiefe von 8 m nicht bebaut werden darf und als Vorgarten angelegt und erhalten werden muss.

Zur Löschung der Dienstbarkeiten wurde bis in die Gegenwart mehrfach ein Notliquidator als Vertretung des nicht vorhandenen Rechtsnachfolgers der HAG bestellt.

 

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