Hohenzollernplatz

„Treten wir nach der kurzen Fahrt aus dem Bahnhof heraus, so steht ein Platzbild freundlichster Art vor unseren Augen, ein Bild von harmonischem, wohltuendem Gepräge, wie es für eine Wohnsiedlung nicht natürlicher, und darum nicht schöner gedacht werden kann. Links erhebt sich das neue Rathaus, ein Wahrzeichen bürgerlicher Machtfülle. Davor der Schmuckplatz mit Springbrunnen, Büschen und Bäumen und farbenprächtigen Blumenstreifen. Rechts die zur Stärkung ladenden Terrassen der nahen Konditorei und des modernen Heinrothschen Restaurants. Alles vereint sich schlicht und anmutig und gewährt einen liebenswürdigen, fast von Poesie umwehten Eindruck." [HAG 1912]

So beschrieb die HAG den Hohenzollernplatz, der – seit Anfang der 1980er Jahre „Geschützter Baubereich" – in ähnlicher Weise den Besucher noch heute empfängt, auch wenn der Tuffstein-Springbrunnen nicht mehr vorhanden ist. Bäume, Büsche, Rasenflächen und die Bronzefigur der Bogenspannerin prägen den Schmuckplatz, der darüber hinaus der Verkehrserschließung als Verteiler dient: Vier Straßen der Villenkolonie gehen sternförmig von ihm ab. An dem halbkreisförmigen Platz konzentrierten sich schon damals die öffentlichen oder kommerziellen Zwecken dienenden Gebäude. Vom Bahnhof, der den Hohenzollernplatz an seiner Westseite beherrscht, aus gesehen, erhebt sich linkerhand seit 1912 das ehemalige Rathaus, es schließt sich im Uhrzeigersinn das 1903 errichtete ehemalige Dienstgebäude der HAG an. Es folgen das Wohn- und Geschäftshaus mit Schornsteinturm, das als Eckbau an der Prinz-Friedrich-Leopold-Straße mit dem HAG-Gebäude eine Torsituation bildet, und schließlich das Wohn- und Geschäftshaus Hohenzollernplatz 1. Südlich des Bahnhofs gibt es seit Anfang der 1950er Jahre die „Ladenzeile" (Nr. 7) mit späterer Ergänzung durch einen Flachbau (ehem Bankgebäude, Nr. 8), beide Bauten 2007/08 modernisiert. 2011 entsteht links daneben auf dem einstigen Kleingartengelände ein Supermarkt. Die Häuser Nr. 1 bis 4 haben zusätzlich eine Hausnummer der jeweiligen vom Hohenzollernplatz abgehenden Straße. Der Bahnhof trägt die Hausnummer 6.

 

 

Links Villa Heinroth, Hohenzollernplatz 2/Pr.-Fr.-Leopold-Str. 1, rechts Restaurant Heinroth, Hohenzollernplatz 1/Alemannenstr. 11

In der Bildmitte das „HAG-Geschäftshaus“- Links die Häuser Normannenstr. 2 und Nr. 6

 

Nr. 1/Alemannenstr. 11, erbaut 1908/09 von Richard Iwan für Carl Heinroth – das Heinrothsche Restaurant (Ansicht um 1914)

Das Heinrothsche Restaurant wurde 1929 durch den zu dieser Zeit in Nikolassee sehr gefragten Architekten Victor Bunikowski zum Wohnhaus umgebaut, im Flügel an der Alemannenstraße entstand rechts neben dem Lebensmittelladen Otto Thürmann (später Reichelt) im Keller ein Lokal mit Biergarten (Ansicht um 1944), der „Erbsenkeller“.

Nr. 2 (auch Pr.-Fr.-Leopold-Str. 1), erb. 1902/03 für Bäcker- und Konditormeister und Hotelbesitzer Carl Heinroth aus Groß Lichterfelde; rechts Ansicht aus den 1960er Jahren. Heute residiert im ehem. Café das Restaurant Skala.

Nr. 3/4, „Geschäftshaus“ der Heimstätten-AG (erbaut 1903/04, Architekt Wilhelm Päpper), im rechten Gebäudeteil das Postamteinst ein Prunkstück am Hohenzollernplatz (Ansichten nach Fertigstellung und 1910)

Die Statue der Bogenspannerin von Ferdinand Lepcke entstand vermutlich 1897 und „verschwand“ im Zweiten Weltkrieg. Der heutige Nachguss stammt von einem Exemplar, das in der Nationalgalerie eingelagert ist. Seit September 2008 ziert mit der „Phryne“ (bis dahin am Bahnhof Schlachtensee aufgestellt) auf der rechten Grünfläche eine zweite Statue von Lepcke den Hohenzollernplatz.

Hohenzollernplatz 5/Alemannenstraße 10, Rathaus, erbaut 1912 von Bruno Möhring – Baudenkmal

Die ortshistorisch bedeutsame Inschrift „Kreis Teltow“ unter der Rosette „Rathaus Nikolassee“ über dem „Bürgermeisterzimmer“ wurde bei der Renovierung des Gebäudes Anfang der 1990er Jahre abgedeckt (in der Vergrößerung am dunklen Streifen zu erkennen).

>