Kronprinzessinnenweg

Der um 1882 angelegte Kronprinzesinnenweg beginnt im Westen am Wannseer Königsweg und führt zum Großen Stern an der Autobahnausfahrt Hüttenweg. Ab da setzt er sich auf Wilmersdorfer Gebiet als Königsweg und ab Auerbachtunnel am Bahnhof Grunewald als Eichkampstraße bis nach Charlottenburg fort. Von der Kurve zur Havelchaussee bis Auerbachtunnel ist der Straßenzug für den Kfz-Durchgangsverkehr gesperrt und wird deshalb gern von Radrennfahrern und Skatern als Trainingsstrecke genutzt. Die am Feuerwehrgebäude links zum Wannseeufer führende Scabellstraße (bis 1976 Robertstraße) gehört, wie das westlich gelegene Wohngebiet Am Sandwerder/Tillmannsweg (früher Friedrich-Karl-Straße), heute zum Ortsteil Wannsee, von 1930 bis nach dem Krieg aber zu Nikolassee.

Der auf Nikolasseer Gebiet liegende Abschnitt des Kronprinzessinnenwegs beginnt östlich des 1975 bezogenen Feuerwehrgebäudes (Nr. 20) mit dem einstigen Ausflugsrestaurant Schloss Wannsee (Nr. 21), führt an den Gebäuden des Wasserwerks Beelitzhof und der abzweigenden Straße Am Beelitzhof (gegenüber der Fußweg „Badeweg“ zum Strandbad Wannsee) vorbei über die Kreuzung mit der Spanischen Allee und dem Wannseebadweg zur Abbiegung der Havelchaussee und verläuft ab dort parallel zur AVUS.

 

 

 

Nr. 20, Feuerwache FW 20, Inbetriebnahme August 1975 – das Gelände gehört zum Ortsteil Wannsee

 

Nr. 21, Restaurant Schloss Wannsee (Baudenkmal), erbaut  1896 von Wilhelm Schuffenhauer; auf der linken Postkarte sind die Schornsteine des Wasserwerkes Beelitzhof zu sehen. Ansicht Mitte: Eingang Kronprinzessinnenweg,  Ansicht vor 1899 mit Stallgebäude (links im Bild). Ansicht rechts: Restaurantgarten am Wasser um 1910

um 1940

 

 

Beelitzhof

 

Wie eine Karte von 1909 zeigt, gab es auf dem heutigen Gelände der Wasserwerke, dem einzigen Industriebetrieb in Schlachtensee-West/Nikolassee, damals außer dem Schloss Wannsee noch drei weitere Restaurants: den „Beelitzhof“ (heute Nr. 140), auf der gegenüberliegenden Straßenseite das Restaurant „Wilhelmshöhe“ und daneben ein weiteres desselben Besitzers. Bis um 1928 war Beelitzhof ein Ortsteil der Landgemeinde Zehlendorf.  

Der später als Ausflugslokal beliebte Beelitzhof war eines der ersten Gebäude auf heutigem Nikolasseer Gebiet. 1862 bekam der Fischer Be(e)litz aus Schlachtensee die Genehmigung, ein Wohn- und Stallgebäude zwischen dem Wannsee und dem Nikolassee zu bauen. Die Gebäude wurden von ihm am sogenannten „Mittelbusch“ errichtet (die Straße Am Beelitzhof hieß einst Mittelweg), doch bürgerte sich der Name Beelitzhof ein.

1890 kaufte der damalige Betreiber des „Beelitzhof“, Eduard Schmidt, eine Wiese am Wannsee direkt neben den hier gerade entstandenen Wasserwerken und eröffnete 1896 das „Schloss Wannsee“; den Beelitzhof, der über eine Dampferanlegestelle verfügte, betrieb er noch bis 1898, danach Heinrich Krüger. Von der einstigen, heute durch ein Gittertor versperrten Anlegestelle mit Werft rechts neben der Kohlenverladeanlage der Wasserwerke veranstaltete ab den 1930er bis in die 1950er Jahre die Reederei Otto Kagel Ausflugsfahrten mit vier kleinen Dampfern. Sie wurde dann von der Stern- und Kreisschifffahrt übernommen und der Anlegesteg geschlossen. 

 

Kartenausschnitt von 1909. Links oben „Badehaus Nicolassee“ = das Seebad, s. unten

Restaurant Wilhelmshöhe um 1902

Restaurant Beelitzhof um 1905 und Wirtshausgarten um 1910

Kronprinzessinnenweg 30, Restaurant Beelitzhof

links um 1913, rechts um 1929

 

 

Bootsanlegesteg Beelitzhof um 1900, ab 1930 Anlegesteg der Reederei und Werft Otto Kagel

Die Flotte der Reederei Otto Kagel in den 1950er Jahren

 

Das Seebad Wannsee

Im Restaurant Beelitzhof fand am 1. August 1907 die Gründungsversammlung der „Nikolasseer Schwimm- und Badeanstalt“ statt, aus der das „Seebad Wannsee“ hervorging. Maßgeblicher Initiator dieses Bades am Badeweg südlich des heutigen Strandbads war der Nikolasseer Bürger der ersten Stunde Dr. Paul Koppel, der am 1. August 1907 auch der erste Geschäftsführer der „Nikolasseer Schwimm- und Badeanstalt GmbH“ wurde. Bereits ab Frühjahr 1907 konnten die Mitglieder des Ortsvereins Nikolassee Anteile in Höhe von 500 Mark erwerben. Das zum Strand hin geschlossene Bad neben dem Wasserwerk ragte bis in den See hinein. Nachdem von den benötigten Baukosten in Höhe von 45 000 Mark bereits im Februar 1907 rd. 30 000 Mark zur Verfügung standen, konnte mit dem Bau begonnen und der Badebetrieb bereits im Sommer 1907 aufgenommen werden. Pächter war der Inhaber des Restaurants Beelitzhof, Heinrich Krüger. Das Seebad war bis Sommer 1937 in Betrieb, anschließend auf Druck der Nationalzsozialisten („Judenbad“) liquidiert und die Holzbauten wurden abgerissen. Ein kleiner, kostenlos zu nutzender Strand rechts neben der heutigen Jugendherberge ist alles, was geblieben ist – bis in die 1970er Jahren wurde es als „Freibad“ rege genutzt, steht aber auch heute noch zur Verfügung.

Nr. 33, genutzt durch die Revierförsterei Nikolassee (früher Landjägerhaus). An der östlich anschließenden Kreuzung gabeln Spanische Allee und Wannseebadweg ab.

Nr. 120, Motel und Rasthaus Grunewald West. Hier standen einst die Rennbahn-Terrassen nach ihrem Umzug wegen des Autobahnbaus aus der Borussenstraße.

Nr. 60, Revierförsterei Nikolassee (früher Forsthaus Wannsee). Hier endet die Bebauung an der Wannseeseite des Kronprinzessinnenwegs.

   
 

Abzweig der Havelchaussee; der Kronprinzessinnenweg verläuft weiter in Richtung Charlottenburg,

 

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