Kurstraße – Gesundung in frischer Luft

 

„Die heutigen, schwierigen Erwerbsverhältnisse und allgemein gesteigerten Bedürfnisse des täglichen Lebens bedingen ein fortwährendes, aufreibendes Ringen nach Gewinn, ein rastloses körperliches oder geistiges Arbeiten, wie es unsere Vorfahren in so intensiver Weise nicht gekannt haben. Es werden dadurch die Gesundheit und die Kräfte besondere der Großstadtbewohner schnell verbraucht und nervöse Krankheiten aller Art nehmen in erschreckender Weise überhand. Hieran ist indessen nicht allein die intensive Tätigkeit Schuld, sondern in viel größerem Maße der Mangel an Ruhe und an reiner ozonhaltiger Luft in den eng bewohnten Großstädten mit ihrem unaufhörlichen Lärm und Hasten und ihrer durch Rauch und Staub verdorbenen Luft.“

 

 

Diese in einem Prospekt der „Villen-Colonie Zehlendorf-West“ um 1900 wiedergegebenen Erkenntnisse, vor allem aber die Fortschritte in der Medizin bei der Behandlung psychischer Krankheiten, führten um die Jahrhundertwende 18../19.. zur Gründung medizinisch geleiteter Erholungsheime in „gesunder Umgebung“. So entstanden zwischen Bahnhof Schlachtensee und Potsdamer Chaussee mehrere Sanatorien, darunter zwei (Nr. 1 und Nr. 11) in der 1897 daher so benannten Kurstraße, deren Ostseite (zwischen „Str. A“ auf der obigen Karte und Kurstraße) der Sanitätsrat Dr. Willy Maaß 1989 im Zusammenhang mit der Errichtung des Kurhauses/Sanatoriums Hubertus in kompletter Länge (rd. 600 m) kaufte. Neun der zehn zwischen 1902/03 und 1905/06 auf der Straßenseite gegenüber dem heutigen Krankenhaus-Hubertus-Areal errichteten Gebäude waren sog. Kurpensionen, von denen noch vier (Nr. 2–5) erhalten sind, die Häuser 6–10 wurden im Weltkrieg zerstört.

 

Nr. 11. Das Krankenhaus Hubertus  wurde 1898 als Sanatorium, später Kurhaus Hubertus, von H. Solf & F. Wichards für Sanitätsrat Dr. Willy Maaß errichtet. Seit 1931 ist es nach dem Verkauf an den „Verein zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser“ (seit Mitte 2009 Paul Gerhard Diakonie) Allgemeinkrankenhaus.  

Tewsstraße 8 Ecke Kurstraße, Vorgängerbau: Maaßsches Haus, Kurstr. 10, erbaut 1902 für Dr. Willy Maaß – zerstört und zweimal neu bebaut

Nr. 5, erbaut 1902/03 von Hofbaumeister Dr. Ernst Petzholtz, Sohn des Hofbau- und Hofmaurermeisters in Potsdam

Nr. 4, erbaut 1902/03 von Hofbaumeister Dr. Ernst Petzholtz (Potsdam)

 

Nr. 3, Kurpension, erbaut 1905/06, Eig. Albert Siecke, Stationsvorsteher

 

Nr. 2, Rhinowsches Haus, erbaut 1902/03 wahrscheinlich von Dr. Ernst Petzholtz für den Schlossermeister Wilhelm Rhinow (Lankwitz) – Ansicht von 1929

Nr. 1/Potsdamer Chaussee 31a–c,, Heil- und Pflegeanstalt/Sanatorium Fichtenhof, erbaut von 1897–1901 von Carl Gause für Dr. med. Justus Boedecker. Die seinerzeit extra eingebauten kleingittrigen Fenster wurden bei der Sanierung des denkmalgeschützten Hauses beibehalten.

Blick  von der Potsdamer Chaussee in die Kurstraße um 1910

 

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