Libellenstraße

Der Name weicht so ganz von dem Schema ab, das die HAG für die Straßen ihrer Villenkolonie ausgewählt hatte. Doch die unmittelbare Nähe zum Nikolassee, an dessen Ufer sie vor dem Bau des Autobahnzubringers verlief, dürfte die HAG-Verantwortlichen dazu „beflügelt" haben. In der Libellenstraße haben sich einige Wohnhäuser aus der Frühzeit der Villenkolonie zwischen 1901 und 1909 erhalten. Die Grundstücke zählten zu den größten, lagen hoch über der Straße und gewährten einen freien Blick auf den Nikolassee. Ein großes Areal hatte der Mitbegründer der Villenkolonie, Franz Gerkrath, erworben und ließ als erstes ein Pförtnerhaus (Nr. 7) errichten, hinter dem ein großer Villenbau geplant war. Das bis zur Alemannenstraße reichende Grundstück wurde im Laufe der Zeit mehrfach parzelliert und bebaut, zuletzt Ende der 1920er Jahre mit dem „Libellenhof" (Nr. 9). Als erstes Wohnhaus der Villenkolonie Nikolassee war 1901 die Villa Schröer (Nr. 12) entstanden.

Der Blick über den Nikolassee auf das Libellenstraßen-Ufer mit der markanten „Rosenburg" (Nr. 17) war ein beliebtes Postkartenmotiv. Die Diskussion um ihren Abriss Anfang der 1970er Jahre führte zu einem Umdenken über den Erhalt bemerkenswerter Bauten und letztendlich zur Schaffung von „Erhaltungsgebieten" in Nikolassee. Die Häuser Nr. 11 und 13 wurden zwar abgerissen und die Grundstücke dicht bebaut, doch lassen die verbliebenen Bauten aus der Frühzeit der Kolonie, von denen fünf unter Denkmalschutz stehen, immer noch erahnen, dass hier einmal einer der schönsten Gebiete der Kolonie war. Heute allerdings ist die Wohnqualität durch die A 115 und den Geräuschpegel von täglich rund 95 000 Fahrzeugen stark beeinträchtigt.

 

 

Ecke Cimbern-/Libellenstraße; vorn links Haus Libellenstr. 2 (Villa Libelle, 1901/02 von der HAG erbaut für den Leutnant Harry vom Berge und Herrendorf), dahinter Nr. 6 (Villa Hausding, erb. 1903/04 von Robert Kleinau für den Geh. Reg.-Rat. Alfred Hausding, Baudenkmal), rechts Nr. 5. Ansicht von 1904.

     

Nr. 4, Villa Roth, Ansicht um 1911, erb. vor 1904 von der HAG für den Kaufmann Wilhelm Roth

 

Nr. 5 (hinten, Haus Koppel, erb. von Hermann Werle vor 1904 für Dr. Paul Koppel) und 7 (Villa Gerkrath, erb. von der HAG 1902/03, als Pförtnerhaus gedacht – Baudenkmal), Ansicht um 1911. Das projektierte dahinter liegende Wohnhaus für Franz Gerkrath (in alten HAG-Karten schon eingezeichnet) wurde wegen dessen frühen Tod 1901 nie verwirklicht.

Nr. 6, Landhaus Hausding, erbaut 1903/04 von Robert Kleinau für Dr.-Ing. Alfred Hausding – Baudenkmal

 

Nr. 9, Haus Lange, „Libellenhof“, erbaut 1927/28 von Bruno Paul für Gen.-Dir. Walther Lange (Kathreiner-Malzkaffee), Blick vom See – Baudenkmal

Nr. 12, Villa Schröer, erbaut 1901 von der HAG für Adolf Schröer, Ozeanologe/„Ozeanograph“ – Baudenkmal

 

Libellenstraße 13/Cimbernstraße 11, Haus Meidinger, erbaut 1909 von Karl Ed. Bangert  für Rechtsanwalt Dr. Karl Meidinger,  Anfang der 1960er Jahre abgerissen (gesprengt) und mit Reihenhäusern bebaut.

Nr. 15, Landhaus Bousset, erbaut 1909 von Alfred Grenander für den Königl. Baurat Johannes Bousset, den späteren Direktor der Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin. Ansicht ca. 1910.

 

Die Rosenburg

Libellenstraße 17, erbaut 1901/02 von der HAG (Architekt Paul Vogler, Friedenau), war zuerst Sitz der Verwaltung der Heimstätten-AG, außerdem lebte hier ihr Gründer und „heimlicher König“ von Nikolassee, der Baumeister Hugo von Krottnaurer, bis sein Domizil „Der Haidehof“ in der Gerkrathstraße 1 errichtet war.

Der drohende Abriss in den 1970er Jahren konnte Dank massiver Proteste und Julius Posener  verhindert werden.

 
 

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