Nikolasseer

 

hatten schon immer eine eigene Meinung:

– wollten nicht zu Berlin gehören,

– wehrten sich erfolgreich gegen die Obrigkeit, als es darum ging, den Autobahnzubringer über die Rehwiese zu bauen,

– blieben gegenüber den Nazis immun, so dass kein Ortsgruppenleiter Fuß fassen konnte,

– bekannten sich zur Bekennenden Kirche,

– hissten trotz großer Angst weiße Betttücher (entgegen dem Befehl von Wehrmacht und SS), als die Russen nahten (die Häuser blieben daher von Kriegsschäden einigermaßen verschont),

– wehrten sich gegen  Investoren (oder besser Spekulanten), als um 1970 der Boden Westberlins immer knapper wurde,

– kämpfen für eine Lärmminderung an der Autobahn, für den Erhalt des Naturdenkmals Rehwiese und lenken den Blick auf die architektonisch einzigartige Bebauung ihres Ortsteil,

 

In der „Villenkolonie Nikolassee“ siedelten sich ab 1901 vor allem wohlhabende Industrielle, Bankiers und Militärs an, denen schon bald das begüterte so genannte Bildungsbürgertum folgte. Die ersten Bewohner waren 1901 der Ozeanologe Adolf Schröer (Libellenstr. 12), der Gymnasialprofessor Dr. Adolf Groth (An der Rehwiese 1) und der Direktor des Heimstätten AG, Louis Lückhoff (Waltharistr. 6). Mehr verrät ein Adressbuch aus dem Jahr 1904 (nächste Seite), aus dem auch hervorgeht, dass einige der Eigentümer in den Wintermonaten in Berlin residierten. Bis in die 1920er Jahre dominierten Einfamilien-Landhäuser und Villen, es gab aber schon in den Jahren nach der Gründung Mehrfamilienhäuser.

 

1904 entstand der „Ortsverein Nikolassee e.V." (erster Vorsitzender war Rudolf Henneberg, An der Rehwiese 12) – später „Verein Nikolassee e.V.“ – in dem die Nikolasseer Honoratioren (es waren fast nur Männer) geselliges und kulturelles Beisammensein pflegten, sich aber auch um die Belange ihrer Kolonie kümmerten. So wurde z.B. für die innere Ausgestaltung der Kirche gesorgt und 1925 eine Sportabteilung gegründet, die den „Tennis-Club Grün-Weiß Nikolassee 1925“ initiierte. Durch Mitteilungsblätter (im Januar 1912 erschien bereits die Nr. 81 für 167 Mitglieder) wurde Kontakt miteinander gehalten.

 

Nikolasseer der ersten Jahrzehnte

– auch ein Rundgang über den Kirchhof gibt Auskunft –

Schuckar, Pr.-Fr.-Leopold-Str. 18

Untucht, Viktoriastr. 18

Thiele, Pr.-Fr.-Leopold-Str. 28

Plöger, Teutonenstr. 6

Wallmann, Pr.-Fr.-Leopold-Str. 1

Dobbeck, Barnhelmstr. 18a

 

Schuckar, Pr.-Fr.-Leopold-Str. 18 Thiele, Pr.-Fr.-Leopold-Str. 28 Forstfrau um 1890

>