Spanische Allee (früher Wannseestraße)

Von der Alemannen- bis zur Breisgauer Straße

 

Die Spanische Allee reicht von der Potsdamer Chaussee bis zum Kronprinzessinnenweg und hieß bis 1939 Wannseestraße. Ursprünglich erstreckte sie sich lediglich von der Wannseebahnbrücke im Westen bis zur heutigen Breisgauer Straße (früher Viktoriastraße) in Schlachtensee und bildete die Grenze zwischen den beiden Villenkolonien Nikolassee und Schlachtensee-West: die nördlichen (ungerade nummerierten) Grundstücke gehörten zu Schlachtensee, die südlichen zwischen Gerkrath- und Wasgenstraße (früher Nordsternstraße) zu Nikolassee. 1925 wurde die Straße um den südlichen Teil der Viktoriastraße bis zur Potsdamer Chaussee verlängert; die Nummerierung begann nun an der Potsdamer Chaussee, die südliche Straßenseite gehörte nun zu Nikolassee, die nördliche zu Schlachtensee/Zehlendorf.

Am 5. Juni 1939 erfolgte durch die Nationalsozialisten die Umbenennung in Spanische Allee „anlässlich des Einzuges der aus Spanien zurückkehrenden deutschen Freiwilligen". Gemeint waren damit die Angehörigen der Legion Condor, die im Spanischen Bürgerkrieg (1936–39) auf Seiten General Francos gegen die Spanische Republik gekämpft hatten und für die Zerstörung der spanischen Stadt Guernica am 26. April 1937 verantwortlich waren. Zum Gedenken an die Opfer wurde 1989 der Schmuckplatz an der Kreuzung mit der Tews- und der Breisgauer Straße Guernicaplatz benannt. Im Zusammenhang mit dem Autobahnbau wurde der westliche Teil hinter dem S-Bahnhof Nikolassee begradigt und bis zum heutigen Kronprinzessinnenweg verlängert.

An der zur Villenkolonie Nikolassee gehörenden südlichen Straßenseite gab es 1918 erst vier Wohnhäuser, von denen die Nr. 74, 88 und 104 heute noch erhalten sind. Alle drei sind von der HAG erbaut worden, zwei von ihnen stehen unter Denkmalschutz. Das dritte Baudenkmal ist das 1924–25 vom Schweizer Architekten Otto Rudolf Salvisberg erbaute Haus Bolle (Nr. 110) an der Ecke Von-Luck-Straße. Die Schlachtenseer Straßenseite wurde bis zum Guernicaplatz wurde bis auf eine Ausnahme erst in den 1920er Jahren bebaut. Erst in den 1960er/1970er Jahren wurden die beiden Wäldchen zwischen Krottnaurer- und Nikisch-Rosenegk-Straße mit dem Poetensteig sowie zwischen Schopenhauer- und Dubrowstraße bebaut.

Über die Spanische Allee wurde als erster Straße in Nikolassee nach 1930 eine Buslinie geführt, die Linie 17 vom Bahnhof Zehlendorf zum Wilhelmplatz nach Wannsee. Nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren anfangs alte Doppeldeckerbusse der Linie A3 vom Rathaus Zehlendorf nach Wannsee. Wegen des Busverkehr wurde „die Spanische" als eine der ersten Nikolasseer Straßen asphaltiert. Nach dem Mauerbau wurde eine zweite Buslinie, A53, vom Hohenzollernplatz über die Matterhornstraße nach Zehlendorf, später bis Lichterfelde, im Parallelverkehr zur Wannseebahn eingerichtet. Heute führt die Linie 112 vom S-Bahnhof Nikolassee nach Marienfelde.

Wenn nicht anders angegeben: Häuser in Nikolassee

 

 

Nr. 112 Ecke Alemannenstraße, erbaut um 1927 für den Malermeister Hermann Malchin

 

Nr. 110 (früher Wannseestr. 2) Ecke Von-Luck-Straße, Landhaus Bolle, erbaut 1924/25 von Otto Rudolf Salvisberg für den Kaufmann Konrad Bolle – Baudenkmal

Nr. 103 (bis 1925 Wannseestr. 7) Ecke Altvaterstraße, erb. 1906/07 von der HAG für Richard Neubauer, Verlagsanstalt/-buchhandlung, Exportgeschäft, in den 1960er Jahren abgerissen und neu bebaut – Schlachtensee-West

Nr. 104 (Wannseestr. 8–10), Villa Voß, 1905 erbaut als Musterhaus von der HAG, erworben von Rentier Max de Ray

Nr. 102/102a, erbaut 1936/37 von und für die Architekten Alfred Roth (102a) und Hans Hartmann (102) – Baudenkmal

Nr. 99 (Wannseestr. 11), erbaut um 1924/25 von der HAG für den Ing. Otto Schulz-Mehrin – Schlachtensee-West

Nr. 93 (Wannseestr. 17) Ecke Krottnaurerstraße, erbaut 1910/11 von der HAG für Direktor und beratender Aufbereitungsingenieur Julius Bartsch – Schlachtensee-West

Nr. 90 (Wannseestr. 26), 1932/33 von Fritz Schopohl für Dr. phil. August Wilhelm Fehling

 

Nr. 88 (Wannseestr. 28), schlüsselfertig erbaut 1914/16 von der HAG, erworben vom Rentier Ing. Alfred Neumann – Baudenkmal

Nr. 87 Ecke Nickisch-Rosenegk-Straße, Einfamilienhaus, erbaut 1932 von Mebes und Emmerich für Prof. Karl Wilhelm Clauberg – Schlachtensee-West – Baudenkmal

Nr. 86, erbaut 1933/34 von Alfred Roth für die Krankenschwester Ella Marten

 

Nr. 74 (Wannseestr. 42), erbaut von der HAG für Kfm. Emil Gebel 1913/14 – Baudenkmal

Nr. 72/72a Ecke Schopenhauerstraße, erbaut um 1929 für Universitäts-Professor Dr. phil. Paul Hofmann

Nr. 70 Ecke Wasgenstraße, westliches Stirngebäude der Reichsbeamtensiedlung (s. auch nächste Seite)

 

Das Wäldchen an der noch gepflasterten Spanischen Allee Ecke Guntersblumer Weg/Dubrowstraße um 1960; danach mit Siedlungs-Mehrfamilienhäusern bebaut (Spanische Allee 52–65, Dubrowstr. 3–5)
     
 

Nr. 40, Teil der Reichsbeamtensiedlung Spanische Allee/ Tewsstraße/Wasgenstraße; gegenüber:

 

 

Nr. 43 (vorn)–53 (mit Breisgauer Straße 40–46, Dubrowstraße 45–51), Reichsbanksiedlung, erbaut 1928/29 von Heinrich Wolff im Baubüro der Reichsbank – Denkmalbereich – Schlachtensee-West

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