Strandbad Wannsee

 

Seit 1904 wurde „wild“ gebadet, bis am 8. Mai 1907 auf einem 200 m langen Uferstreifen am Wannsee gegenüber Schwanenwerder, dem sog. Rohrgarten, das Baden erlaubt wurde – die Geburtstunde des Strandbads Wannsee. Im Sommer 1908 wurde das Freibad an den Nikolasseer Kaufmann (Gastwirt) Bernhard Frankenthal, wohnhaft in der Teutonenstr. 12, verpachtet. Zum Umkleiden gab es Zelte, später auch Bretterbuden; der Zustand des Bades ließ im Laufe der Zeit immer mehr zu wünschen übrig, so dass im Jahr 1921 der Stadtverordnete Hermann Clajus als Sonderkommissar eingesetzt wurde.

1924 wurde das Bad, von den Berlinern liebevoll „Neu-Heringsdorf" genannt, von der Stadt Berlin übernommen, die alten Leinwandzelte und Bretterbuden abgerissen und feste Holzhäuser mit Schilfdächern errichtet sowie der Strand auf 800 m Länge erweitert. Ab 1929/30 entstand die Anlage in ihrer heutigen Form, nachdem 1927 eines der Holzhäuser bei einem Brand zerstört wurden. 1937 wurden die Wannseeterrassen errichtet und das Bad nach Süden auf Kosten des Seebads verlängert. Die Strandlänge beträgt heute 1275 m. Hohe Eintrittspreise und das veränderte Freizeitverhalten machen allerdings für die Zukunft Besucherzahlen wie in den 1920er Jahren mit über 100 000 an einem Tag unwahrscheinlich.

Gleichzeitig mit der Verpachtung des Freibads 1908 ließen sich der „Club fideler Sonnenbrüder“, später „Sonne 08 e.V.“ am nördlichen und der „Verein für Körperkultur Wannseeaten 1911 e.V.“ am südlichen Ende nieder; in beiden Vereinen, die aus der Naturbewegung entstanden, hatten sich überwiegend Arbeiter mit ihren Familien engagiert und halfen bei Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung. Als Gegenleistung durften sie Zelte und Lauben aufstellen.

 

Ansichten von 1907

Ansichten von 1909

Das „Freibad Wannsee“ mit den schilfgedeckten Holzhaus-Kabinen um 1925

Zeltkolonie des „Club fideler Sonnenbrüder/Sonne 08“ an nördlichen Ende des Strandbads mit Blick auf den Wasserturm auf Schwanenwerder um 1930

Das Hauptgebäude vom Wannseebadweg (links, im rechten Flügel das Postamt, Architekt Franz Fedler, 1932) und von der Badseite in den 1930er Jahren. Die Statue der Läuferin von Prof. Ernst Seger wurde 1933 aufgestellt und 1940 eingeschmolzen.

 

Der „Berliner Lido“ in den 1930er (oben), 1950er und Ende der 1960er Jahre. Auf dem linken Bild ist die 1951 errichtete Funkstelle Nikolassee zu sehen (s. Briefmarke oben), die auf dem Gelände des früheren Lagers der Organisation Todt errichtet wurde; Mitte der 1960er Jahre wurde die Anlage durch den Fernmeldeturm auf dem Wannseer Schäferberg ersetzt und die Masten abgerissen.

 

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