Woher die Straßen ihre Namen haben

 

Nikolassee und Schlachtensee-West

 

Alemannenstraße, Borussen-, Burgunder-, Cimbern-, Normannen- und Teutonenstraße – die Herkunft dieser Namen ist klar, wenn auch nicht, warum gerade diese germanischen Stämme für Nikolasseer Straßen gewählt wurden. Ebenso ist unklar, warum, auch nach 1947, Gebirgsnamen gewählt wurden. Die Benennung der Straßen im Wagner- und Kleistviertel ist eindeutig. Es gibt eine Reihe anderer Namen, deren Herkunft hier erläutert wird.

Angesichts der Tatsache, dass die HAG die Straßen in Schlachtensee-Ost nach Angehörigen des preußischen Königshauses benannte, liegt es nahe, dass dies auch in Schlachtensee-West der Fall war. So mag die einstige Mariannenstraße (jetzt Altvaterstraße) nach Prinzessin Marianne von Preußen (1785–1846), die mit Prinz Wilhelm, dem Bruder Friedrich Wilhelm III. verheiratet war, benannt worden sein. Sie war die Mutter der Prinzen Adalbert (1811–1873) und Waldemar (1817–1949), beides Namensgeber von Straßen in Schlachtensee-Ost, sowie Elisabeth (1815–1885); die Elisabethstraße heißt heute Guntersblumer Weg und umfasste auch einen Teil der Dubrowstraße.

Sophie von Preußen (1870–1932) kann unter der gemachten Annahme die Namensgeberin des nördlichen Teils der heutigen Kaiserstuhlstraße gewesen sein. Sie war die dritte Tochter des Kronprinzen Friedrich Wilhelm (Friedrich III.) (1831–1888) und seiner Frau Victoria (1840–1901). Für die ehem. Luisenstraße (heute südlicher Teil der Kaiserstuhlstraße) kann die gleichnamige Prinzessin (1838–1923) Namensgeberin gewesen sein. Augusta- und Viktoriastraße siehe weiter unten (Breisgauer Straße bzw. Reifträgerweg). Lediglich die ehem. Dianastraße (heute Waldsängerpfad) passt nicht zu den preußischen Prinzessinnen.

In der NS-Zeit wurden in beiden Teilen Schlachtensees zahlreiche Straßen umbenannt (Nikolassee blieb verschont), worauf weiter hinten eingegangen wird. Diese wurden im Mai 1945 durch die heutigen Namen ersetzt.

Die ehemaligen Straßennamen sind kursiv-fett. Der Link auf dem Straßennamen führt zu der betreffenden Seite.

 

Albiger Weg, Ort im Wonnegau, Name ab 1935.

 

Am Beelitzhof. Die Straße liegt zwischen Kronprinzessinnenweg und Münchowstraße. Name ab: um 1920. Nach dem um 1770 ortsansässigen Fischer Beelitz benannt. Die Straße wurde um 1890 von der Heimstätten-AG angelegt und gehörte bis 1920 zu Zehlendorf.

 

Am Schlachtensee, Name ab 8.4.1933; vorher Längs des Sees (vor 1891) bzw. Seestraße (ab 1891). Die Namen ergeben sich aus der unmittelbaren Lage der Straße am Schlachtensee.

 

Altvaterstraße, Name ab 1945, Gebirge in der Tschechischen Republik; vorher Mariannenstraße (vor 1897 Bahnstraße), Name ab 1898–15.3.1939, dann Wahrmundzeile (1939–1947, Adolf Wahrmund, 1827–1913, Arabist und Antisemit). Die Straße beginnt am S-Bahnhof Schlachtensee und verläuft parallel zur Wannseebahn und endet im rechten Winkel in der Spanischen Allee.

 

Beskidenstraße. Tschechisch-slowakischer Gebirgszug. Name ab 1930.

 

Breisgauer Straße, führt vom Bahnhof Schlachtensee zur Spanischen Allee. Name ab 1945; vorher Viktoriastraße. Name um 1896–31.8.1937, dann Stöckerzeile (Christian Adolf Stoecker, 1935–1909, Geistlicher und Politiker, führte den Antisemitismus in die deutsche Politik ein). Prinzessin Viktoria Luise von Preußen (1892–1980), Herzogin von Braunschweig, Tochter Kaiser Wilhelm II. Der Abschnitt der Viktoriastraße zwischen Hubertusstraße und Potsdamer Chaussee wurde bereits 1925 als Verlängerung der Wannseestraße in diese einbezogen und in Wannseestraße umbenannt (seit 1939 Spanische Allee).

 

Dreilindenstraße verläuft zwischen Nibelungenstraße und Rehsprung. Name ab: vor 1904. Dreilinden, ehemaliges Jagdschloss und Forst. Es wurde 1867 für Prinz Friedrich Karl im Düppeler Forst erbaut und 1955 abgerissen. Nach dem Schloss ist die Landhaussiedlung (südlich von Berlin, heute Teil von Kleinmachnow) Dreilinden benannt.  

 

Ernst-Ring-Straße liegt zwischen der Spanischen Allee und der Altvaterstraße (Schlachtensee-West). Name ab: vor 1902.

Ernst Ring, *10.8.1850, †25.10.1906 Teltow, Kommunalpolitiker. Rittmeister Ring war Oberamtmann des Ritterguts Düppel und trug den Titel eines Ökonomierats. Er war Abgeordneter des Kreises Teltow im Provinziallandtag der Provinz Brandenburg. Das Gelände, auf dem sich die Straße befindet, ist zwischen 1894 und 1897 vom Prinzen Friedrich Leopold an die Heimstätten-AG übergegangen. Danach begann die Straßenanlage, die im Jahre 1908 abgeschlossen wurde.

 

Gerkrathstraße verläuft von der Spanischen Allee (vor 1909 von der Augustastraße/heutiger Reifträgerweg) bis zum Kirchweg. Name ab: vor 1902.

Franz Eduard Albert Gerkrath, *31.1.1835 Erkelenz (Rheinland), †16.5.1901 Berlin, Unternehmer. Gerkrath machte 1854 in Köln sein Abitur und nahm anschließend eine Lehre bei der Concordia Lebensversicherungs AG auf. Hier war er bis 1864 tätig, bevor er zur Germania nach Stettin ging. Nach einer Zwischenstation in Basel stand er ab 1871 an der Spitze der Lebensversicherungsgesellschaft Nordstern in Berlin. Er wirkte mit bei der Gründung des Verbandes Deutscher Lebensversicherungsgesellschaften und 1901 wurde er 1. Vorsitzender des Deutschen Vereins für Versicherungswissenschaften. Gerkrath war Mitbegründer der Heimstätten-AG. Er gehörte zu den ersten Bewohnern von Nikolassee. Die Straße wurde 1903/04 von der Heimstätten-AG auf Kosten der Eigentümer angelegt.

 

Guntersblumer Weg, Verbandsgemeinde im Kreis Mainz-Bingen. Die Straße führt durch die Reichsbeamtensiedlung von der Spanischen Allee zur Tewsstraße. Name ab 1945; vorher Elisabethstraße (Name nach 1894–1939, führte bis zum Dubrowplatz), ab 15.3.1939 Badenweilerweg.

 

Haagstraße führt im rechten Winkel von der Beskidenstraße ab und wieder zu ihr zurück. Name ab: 4.4.1934.

Dr. Adolf Haag, *13.1.1858, †20.4.1927, Oberingenieur, Pächter und Kommunalpolitiker, war einer der ersten Gemeindevertreter von Nikolassee. Vorher Straße A. Sie wurde Anfang der dreißiger Jahre angelegt und gehört zum Wonnegauviertel.

 

Hoiruper Straße führt von der Spanischen Allee als Sackgasse zur Stadtbahn. Name ab 17.5.1930. Vorher Straße G 2. Sie wurde um 1910 von der Eisenbahngesellschaft und den Anliegern angelegt und gehörte bis zur Verwaltungsreform 1938 zum Ortsteil Grunewald-Forst des Bezirks Wilmersdorf. Høirup, Ort in der früheren Provinz Schleswig-Holstein, Regierungsbezirk Schleswig, Kreis Hadersleben; heute Højrupbei Kolding, Sønderjylland, Dänemark. Der Ort in Jütland lag in einem Gebiet, das in den Auseinandersetzungen um Schleswig und Holstein vielfach von Kämpfen betroffen war. Hoirup, das von 1864 bis 1920 zur damaligen preußischen Provinz Schleswig-Holstein gehörte, gelangte durch eine Volksabstimmung 1920 endgültig zu Dänemark. Dass der Ort zu Dänemark kam, war offenbar – wie bei anderen Gemeinden und Städten, die auf Grund des Versailler Vertrags nicht mehr zu Deutschland gehörten – Anlass zur Benennung der Straße.

 

Im Mittelbusch (um 1902 Brückenweg). Die Straße verbindet den Kirchweg mit der Von-Luck-Straße. Sie wurde um 1904 von der Heimstätten AG angelegt und 1920 benannt. Der Name nimmt Bezug auf den die Straße damals umgebenden Teil Neu-Zehlendorfs „Mittelbusch“.

 

Jochen-Klepper-Weg, Waldweg zwischen der Beskiden- und der Wasgenstraße. Name seit 1961. Jochen Klepper (*22.3.1903, †11.12.1942), Schriftsteller (s. Gedenktafeln).

 

Julius-Posener-Platz. Er liegt an der Teutonenstraße/Ecke An der Rehwiese, Name seit 4.11.2004. Julius Posener, *4.11.1904 Groß-Lichterfelde, †29.1.1996 Berlin, Architekt. Er studierte an der Technischen Hochschule (TU) Berlin Architektur und schloss 1929 als Diplom-Ingenieur ab. 1929/30 war er Assistent bei Architekten in Paris, ab 1931 bei Erich Mendelsohn in Berlin. 1933 emigrierte er seiner jüdischen Herkunft wegen nach Paris und später nach Palästina. In Jerusalem arbeitete er erneut als Mendelsohns Assistent. 1941–1947 leistete er freiwilligen Kriegsdienst in der britischen Armee und kehrte anschließend als englischer Soldat nach Deutschland zurück. 1948–1956 lehrte er an der Londoner Brixton School of Building und 1956–1961 am Technical College in Kuala Lumpur (Malaysia), wo er eine Architekturschule aufbaute. 1961 kehrte er endgültig nach Berlin zurück und übernahm für zehn Jahre die Professur für Geschichte, Theorie und Kritik der Architektur an der Hochschule der Bildenden Künste. Lehraufträge an der TU Berlin bis 1978 und an amerikanischen Universitäten folgten. 1972–1976 war er Vorsitzender des Deutschen Werkbundes. Man verlieh ihm verschiedene Ehrendoktorwürden. Posener war u. a. Mitglied der Berliner Akademie der Künste und des Bundes Deutscher Architekten. 1988 erhielt er die Ernst-Reuter-Plakette. Er engagierte sich stark für den Erhalt der Villen- und Landhausarchitektur Nikolasses vor allem an der Rehwiese. Der Platz wurde anlässlich des 100. Geburtstages von Posener benannt.

 

Kaiserstuhlstraße, Mittelgebirge in Südbaden, Name ab 1945; vorher Luisenstraße (zwischen Matterhorn- und Dubrowstraße), Name ab 1896, bis 15.3.1939, und Sophienstraße (zwischen Altvater- und Matterhornstraße), Name um 1890–15.3.1939), dann Zusammenlegung der Straßen und 1939 Umbenennung in Schönerer Zeile (Georg Ritter von Schönerer, 1841–1921, österreichischer Politiker und „Vater des politischen Antisemitismus“))

 

Katteweg. Die Straße führt vom Königsweg ab. Name ab 16.1.1925 (im Ortsteil „Neu-Zehlendorf“). Hans Hermann von Katte, *28.2.1704 Berlin, †6.11.1730 Küstrin, Militär. Katte, Offizier im Regiment Gensdarmes in Berlin, war ein Jugendfreund des späteren preußischen Königs Friedrich II. Er wurde als Mitwisser von Fluchtplänen des Kronprinzen nach deren Aufdeckung verhaftet. König Friedrich Wilhelm I. ließ Katte trotz eines milderen Urteils des Kriegsgerichts am 6.11.1730 vor den Augen seines Sohnes hinrichten. Vorher Straße V. Sie wurde Mitte der zwanziger Jahre von den Anliegern und Eigentümern angelegt.

 

Krottnaurerstraße verläuft zwischen Altvater- und Wasgenstraße. Name ab: vor 1902. Hugo von Krottnaurer, *28.11.1851, †5.4.1915 Berlin, Baumeister und Unternehmer, war Gründungsmitglied und Direktor der Heimstätten-AG und Begründer der Villenkolonie Nikolassee. 1910 wurde er nach Bildung der Landgemeinde Nikolassee zu einem der Schöffen gewählt. Er ist auf dem evangelischen Kirchhof Nikolassee beigesetzt. Die Straße wurde um 1902 in mehreren Bauabschnitten von der HAG angelegt und ausgebaut, beginnt in Schlachtensee-West, kreuzt Nikolassee und endet im „Wonnegau-Viertel“.

 

Kurstraße führt von der Potsdamer Chaussee zur Tewsstraße. Name ab 1899. In der Kurstraße waren zahlreiche Kurhäuser und Erholungsheime angesiedelt.

 

Lückhoffstraße geht vom Kirchweg ab und führt über die von-Luck-Straße zur Spanischen Allee. Name ab: vor 1902.

Louis Lückhoff, *13.3.1838, †1913 Berlin, Unternehmer, Politiker, war Gründungsmitglied der Heimstätten-AG und deren erster Direktor. Die Straße wurde um 1900 von der Heimstätten-AG angelegt. Nach 1905 erfolgte der Ausbau.

 

Matterhornstraße, führt von der Lindenthaler Allee zur Spanischen Allee. Name ab 1945, ursprünglich westlicher Teil der von Zehlendorf kommenden Beerenstraße/Bärenscher Weg, ab ca. 1895 Waldemarstraße (zwischen Lindenthaler Allee und Spanische Allee) und Heimstättenstraße (Name um 1900) zwischen dem Heimstättenplatz an der Spanischen Allee bis zur Kurve der ehem. Waldemarstraße an der Ecke Palmzeile/Wasgenstraße. Der südliche Abschnitt der Waldemarstraße wurde am 15.3.1939 zusammen mit der Gertrudstraße in Palmzeile, der nördliche Abschnitt Richtung Zehlendorf mit der Heimstättenstraße am 20.3.1939 in Schemmstraße umbenannt (Hans Schemm, 1891–1935, Gründer des Nationalsozialistischen Lehrerbundes und NSDAP-Gauleiter der Bayer. Ostmark).

 

Mittelweg (2x) ab ca. 1920: Im Mittelbusch sowie Am Beelitzhof

 

Münchowstraße beginnt am Wasserwerk Beelitzhof und endet an der Paul-Krause-Straße. Name ab: um 1905. Otto Münchow, *8.01.1847, †1.03,1927 Berlin, Kommunalpolitiker, war Gründungs- und Vorstandsmitglied der Heimstätten-AG. Die Straße wurde 1904/05 von der Heimstätten-AG als Fußweg angelegt und danach zur Straße ausgebaut.

 

Nickisch-Rosenegk-Straße beginnt an der Spanischen Allee und endet an der Matterhornstraße (Schlachtensee-West).

Name ab: vor 1905. Gotthard Ernst Nickisch von Rosenegk, *21.1.1853 Petersdorf, †11.9.1931 Schwerin, Militär. Der Sohn eines Gutsbesitzers besuchte die Ritterakademie und legte dort seine Reifeprüfung ab. Am 5.2.1871 trat er in das Gardefüsilierregiment ein. 1881 zum Oberleutnant befördert, kam er 1885 als Adjutant zur 2. Gardeinfanteriebrigade. Zwei Jahre später wurde er Hauptmann und Kompaniechef. Nickisch von Rosenegk erhielt als Oberst 1903 das Kommando über die Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde und war zuletzt Generalmajor. Er hatte durch seine Funktion als ehem. Oberhofmarschall von Prinzen Friedrich Leopold von Preußen enge Verbindung zu diesem und machte sich um die Heimstätten-AG in Nikolassee verdient. Die Straße wurde 1897/98 durch die Gemeinde auf Kosten der Heimstätten-AG angelegt.

 

Nikolassteig (seit 1936, vorher Eichenweg), führt von der Lohengrinstraße zum Nymphenufer am Nikolassee.

 

Osthofener Weg. Ort im Wonnegau, Name ab 1935.

 

Palmzeile führt von der Krottnaurer- zur Matterhornstraße über die Spanische Allee zur Matterhornstraße. Name ab 15.3.1939; vorher Gertrudstraße (zwischen Krottnaurerstraße und Spanische Allee), Name ab: nach 1897–1939, und Waldemarstraße (Name von 1900–1939). Johann Philipp Palm, *18.11.1766 Schorndorf, †26.8.1806 Braunau am Inn (Österreich), Buchhändler, Verleger. Nach einer Buchhändlerlehre arbeitete er als Gehilfe in Frankfurt a. Main, Göttingen und Erlangen. 1796 heiratete er die Tochter des Buchhändlers Johann Adam Stein in Nürnberg, dessen Verlagsbuchhandlung er ab 1800 allein weiter betrieb. Palm verlegte 1806 in Nürnberg die anonyme antifranzösische Flugschrift „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung". Auf Befehl Napoleons verhaftet, wurde er, weil er sich weigerte, den Autor der Schrift zu nennen, in Braunau vor ein Kriegsgericht gestellt und standrechtlich erschossen. Die Gertrud- (Nikolassee, Name der Frau von Hugo von Krottnaurer) und ein Teil der Waldemarstraße bis zur heutigen Matterhornstraße (Schlachtensee-West) heißen seit 1939 Palmzeile, während der andere Teil der Waldemarstraße zusammen mit der Heimstättenstraße in Schemmstraße (heute Matterhornstraße) umbenannt wurde.

 

Parallelstraße verlängert die Teutonenstraße unter den Bahngleisen hindurch nach links und endet als Sackgasse. Der Name ergab sich aus dem parallelen Verlauf zur Wannseebahn. Die Straße endete vor dem Bau des Autobahnzubringers durch einen Tunnel unter der Wannseebahn an der Treppe von der Borussen- zur Paul-Krause-Straße. Name ab 1925.

 

Paul-Krause-Straße führt von der Münchowstraße als Sackgasse ab. Name ab: 1903, vorher Hans-Roland-Straße, mit der sie die Namen getauscht hat (da Herr von Krause in der heutigen Paul-Krause-Straße sein Haus errichtete).

Paul von Krause, *4.4.1852 Karbowo (bei Strasburg, Westpr.), †17.12.1923 Berlin, Jurist. Krause studierte 1870–1873 in Leipzig, Heidelberg und Berlin Rechts- und Sozialwissenschaften. 1877 promovierte er in Göttingen. 1880–1890 war er als Rechtsanwalt und Notar in Königsberg und Berlin tätig. Von 1902 bis 1909 war Krause Mitglied des Vorstands des Deutschen Anwaltvereins, von 1905 bis 1917 Vorsitzender des Vorstands der Berliner Anwaltskammer. Er gehörte von 1888 bis 1917 als Vertreter der Nationalliberalen Partei dem preußischen Abgeordnetenhaus an, seit 1896 als Zweiter Vizepräsident. Krause arbeitete am Allgemeinen Teil des BGB mit und hatte großen Anteil an der Erarbeitung der Deutschen Steuerreform. Er war 1904–1906 Vorsitzender des Vereins für die Deutsche Binnenschifffahrt und wurde 1906 Geheimer Justizrat. 1916 wurde er Staatssekretär im Justizministerium, erst nach der Bildung des Kabinetts Scheidemann schied er am 13.2.1919 aus diesem Amt aus. Krause gehörte 1919–1923 noch der Preußischen Landesversammlung bzw. dem Preußischen Landtag für die Deutsche Volkspartei an.

 

Pfeddersheimer Weg. Ort im Wonnegau, Name ab 1935.

 

Poetensteig. Name vor 1905 bis 31.8.1937. Fußweg auf dem Gebiet des früheren Wäldchens (heute Siedlung aus den 1960er Jahren) zwischen Krottnaurer- und Nickisch-Rosenegk-Straße.

 

Prinz-Friedrich-Leopold-Straße führt vom Hohenzollernplatz über die Teutonen- bis zur Libellenstraße. Die Straße wurde zwischen 1901 und 1904 von der Heimstätten-AG angelegt.

Joachim Karl Wilhelm Friedrich Leopold, *14.11.1865 Berlin, †13.9.1931 Flatow, Militär. Prinz Friedrich Leopold war ein Großneffe von Kaiser Wilhelm I. Er schlug die militärische Laufbahn ein, 1875 wurde er Leutnant, 1885 Oberleutnant, 1888 Rittmeister, 1890 Major. 1893 Oberst geworden, wurde er bereits 1893 Generalmajor und 1898 Generalleutnant. Er leitete die Kavallerieinspektion Potsdam, 1902 wurde er General der Kavallerie und 1907 Generalinspektor der Armee. Zuvor war er während des Russisch-Japanischen Krieges als Berater im Hauptquartier der russischen Armee. 1889 heiratete er Luise, Prinzessin von Schleswig-Holstein-Sonderburg, die Schwester der deutschen Kaiserin. Von seinem Wohnsitz Klein-Glienicke aus förderte er durch Landverkauf die Besiedlung der Villenkolonie Nikolassee.

 

Quantzstraße verläuft zwischen der Potsdamer Chaussee und dem Königsweg. Name ab: 25.1.1925; vorher Straße T des Bebauungsplanes. Johann Joachim Quantz, *30.1.1697 Oberscheden bei Göttingen, †12.7.1773 Potsdam, Flötist und Komponist. Quantz kam 1716 nach Dresden, studierte hier Musik, vertiefte seine Kenntnisse in Italien, Paris und London und kam 1727 wieder nach Dresden. Hier lernte ihn der preußische Kronprinz Friedrich kennen, dessen Flötenlehrer er 1728 wurde. Seit 1741 war er Kammermusiker und Hofkomponist Friedrichs II. in Potsdam. Er schrieb etwa 300 Flötenkonzerte und 200 Kammermusikwerke sowie den für die Kenntnis der Musikpraxis und -ästhetik des 18. Jahrhunderts bedeutenden „Versuch einer Anweisung, die Flöte traversière zu spielen" (1752). Sein Grab befindet sich auf dem Alten Friedhof Potsdam.

 

Reifträgerweg, poln. Szrenica, einer der höchsten Berge im Riesengebirge, Name ab 1945; vorher Augustastraße,  Name vor 1896 bis 15.3.1939, 1939–1947 Stauffzeile (Ottokar Friedrich Stauf(f) von der March, 1868–1941, österr. Journalist, NS-Anhänger). Führt von der Altvaterstraße zur Schopenhauerstraße. Augusta Marie Luise Katharina, deutsche Kaiserin, Königin von Preußen, geb. Prinzessin von Sachsen-Weimar-Eisenach,*30.9.1811 Weimar, †7.1.1890 Berlin.
Augusta war die Tochter des Großherzogs Karl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach und der russischen Großfürstin Maria Pawlowna. Sie wuchs am Weimarer Hof auf. Am 11.6.1829 heiratete sie Prinz Wilhelm von Preußen, den späteren Kaiser Wilhelm I. (1797–1888). Augusta nahm von 1850 bis 1859, während Wilhelm als Generalgouverneur in Koblenz residierte, Verbindung zur liberalen und katholischen Opposition auf. Nach dem Regierungsantritt ihres Gatten versuchte Augusta vergebens, Einfluss auf die Regierungspolitik zu erlangen und diese in eine liberalere Richtung zu lenken. Sie förderte Künste und Wissenschaft sowie Wohltätigkeitseinrichtungen. Von ihr gingen auch Anregungen für die Genfer Konvention von 1864 über die Behandlung von Verwundeten und Kriegsgefangenen im Krieg aus. Ihre Grabstätte befindet sich im Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg.

 

Rolandstraße, ursprünglich Hans-Roland-Straße, verläuft zwischen der Altvater- und der Matterhornstraße. Name ab 1903, vorher Paul-Krause-Straße, mit der sie den Namen tauschte. Hans Roland war Gründungsmitglied der Heimstätten-AG. Die Straße wurde um 1895 angelegt und 1900 von der HAG ausgebaut.

 

Schopenhauerstraße. Sie verläuft von der Lückhoffstraße über die Spanische Allee (Nikolassee, Name ab 29.1.1937; vorher Sudetenstraße (Name vor 1902–1937) und dann bis zur Matterhornstraße (Schlachtensee-West, vorher Kronprinzessinnenstraße (Name von 1898–29.1.1937). Arthur Schopenhauer, *22.2.1788 Danzig, †21.9.1860 Frankfurt am Main, Philosoph.

 

Spanische Allee, beginnt an der Potsdamer Chaussee, verläuft über die Krottnauerstraße zum Kronprinzessinnenweg. Name ab 5.6.1939, ab ca. 1901 Wannseestraße. Die Straße erhielt den ursprünglichen Namen, weil sie als Richtungsstraße von der Potsdamer Chaussee zum Wannsee führte. Am 5. Juli 1925 wurde der Abschnitt der damaligen Viktoriastraße (heute Breisgauer Straße) zwischen heutiger Tewsstraße und Potsdamer Chaussee als Verlängerung der Wannseestraße in Wannseestraße umbenannt. Der westliche Teil ab Wannseebahnbrücke gehörte bis zur Verwaltungsreform 1938 zum Ortsteil Grunewald-Forst des Bezirks Wilmersdorf. Die Umbenennung der Wannseestraße in Spanische Allee erfolgte durch die Nationalsozialisten „anlässlich des Einzuges der aus Spanien zurückkehrenden deutschen Freiwilligen". Gemeint waren damit die Angehörigen der Legion Condor, die mit einer Stärke bis zu 5500 Mann unter Bruch der Festlegungen des Nichteinmischungsausschusses im Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) auf Seiten General Francos gegen die Spanische Republik gekämpft hatten. Sie spielte in den Kämpfen um Madrid und Bilbao eine entscheidende Rolle. Ihr Luftwaffenverband führte die Zerstörung von Guernica am 26.4.1937 durch. Die Teilnahme der Legion Condor am Krieg in Spanien war vor der Bevölkerung in Deutschland anfangs geheim gehalten worden und diente dem Dritten Reich zur Erprobung von Kriegsmaterial in Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs. Auf Seiten des republikanischen Spaniens hatten in den Internationalen Brigaden über 5000 Deutsche die Spanische Republik gegen die verbündeten spanischen, deutschen und italienischen Faschisten verteidigt.

 

Tewsstraße, verbindet die Wasgenstraße und die Spanische Allee. Name ab 20.7.1938, vorher Hubertusstraße (Name ab 1899–20.7.1938). Johannes Tews (1860–1937), Reformpädagoge.

 

Von-Luck-Straße führt von der Spanischen Allee zur Potsdamer Chaussee. Name ab: vor 1902. Hans Ulrich von Luck, *13.9.1861 Potsdam, †20.4.1945 Leipzig, Hofbeamter. Der seit 1898 als Kammerherr und Hofmarschall des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen fungierende Luck – bis dahin Gardeoffizier – war einer der Initiatoren für die Anlage Nikolassees als Villenkolonie. Die Straße wurde 1901/02 von der Heimstätten-AG angelegt (bis heutiger Schopenhauerstraße) und in den 1930er Jahren bis zur Potsdamer Chaussee verlängert.

 

Waldsängerpfad verläuft zwischen Reifträgerweg und Krottnauerstraße (Schlachtensee-West). Name ab 1945; vorher von ca. 1901–1939 Dianastraße, dann Betazeile (1939–1947). Waldsänger, eine etwa 100 Arten umfassende Familie bis meisengroßer insektenfressender Singvögel Amerikas, die in Gestalt und Lebensweise unseren Laubsängern und Meisen ähneln.

 

Wasgenstraße, Alter Name für die Vogesen. Die Straße beginnt an der Matterhornstraße und führt über die Spanische Allee zur Potsdamer Chaussee. Name seit 1915/16; vorher ab 1901 Nordsternstraße, von der Heimstätten-AG angelegt. Die Nordstern Allgemeine Versicherungs AG (heute zum AXA-Konzern gehörend) war 1866 für Sach- und Vermögensversicherung gegründet worden. Im selben Jahr entstand eine Lebensversicherung, eine See- und Flussversicherung war bereits 1857 in Hamburg gegründet worden. An der Spitze der Nordstern stand Franz Eduard Albert Gerkrath, Mitbegründer der Heimstätten-AG.

 

Westhofener Weg. Ort im Wonnegau. Name ab 1935.

 

Wonnegausteig, Name seit 2008, verbindet als Fußweg den Westhofener Weg und die Krottnaurerstraße. Der Wonnegau ist eine Weinbauregion im Gebiet Alzey/Worms in Rheinland-Pfalz.

 

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