Am Beelitzhof – Wasserwerk Beelitzhof

 

1862 wurde dem Fischer Beelitz zu Zehlendorf die Genehmigung erteilt, Wohn- und Stallgebäude ,,unweit des Wann- und des Nicolas-See im sogenannten Mittelbusch“ zu errichten (siehe Karte) – das ist das heutige Grundstück der Berliner Wasser-Betriebe Am Beelitzhof Ecke Kronprinzessinnenweg. Ferner ist bekannt, dass sich am Nikolassee der Zimmermeister Eichelkraut niedergelassen hatte. Über einen künstlich geschaffenen Graben konnte er vom Wannsee aus Baumstämme zu seiner Sägemühle transportieren. 1871 wurde beim Bau der Wetzlarer Eisenbahn eine Brücke über diesen Graben gebaut. Erst als die Charlottenburger Wasserwerke ihr Werk 1888 errichteten, musste Eichelkraut weichen.

Wie lange der Fischer auf dem Beelitzhof noch ansässig war, ist nicht bekannt. Vor der Inbetriebnahme des Wasserwerks Beelitzhof gab es am Wannsee bereits eine Pumpstation. Dieses sogenannte ,,Conradsche Wasserwerk“ wurde wahrscheinlich schon im Geburtsjahr der Kolonie Wannsee 1872 erbaut. Erst 1898 wurde dieses Werk stillgelegt und der Ortsteil Wannsee ausschließlich vom Wasserwerk Beelitzhof versorgt.

Aus den Betriebsberichten der Charlottenburger Wasserwerke geht hervor, dass das Werk Beelitzhof I im 3. Quartal 1888 in Betrieb ging. Auf dem Gelände zwischen Spanischer Allee, Kronprinzessinnenweg und Am Beelitzhof befanden sich ein Maschinen- und ein Kesselhaus, ein Reinwasserbehälter und ein Beamtenwohnhaus mit sechs Wohnungen. Dieses Haus wurde 1891 aufgestockt und ein weiteres 1894 mit drei Wohnungen, sechs Büroräumen und einem Laboratorium erbaut. Beide Beamtenwohnhäuser (siehe Bild unten) – das dreistöckige aus dem Jahr 1888 und das zweistöckige aus dem Jahr 1894 – stehen noch heute und sind damit die ältesten Gebäude im heutigen Nikolassee (bis ca. 1920 zu Zehlendorf gehörend). Ein Stall aus Backstein mit Ziegeldach war ebenfalls vorhanden. Die Kohleentladebrücke am Wannsee gab es bereits 1887. Dort befand sich ein hölzerner Entladekran. Über eine Gleisanlage mit Waage konnte die Kohle zum Werk transportiert werden.

Um die Wasserlieferung an die schnell wachsenden Gemeinden sicherzustellen, musste das Wasserwerk bald vergrößert werden. 1894 wurde das Wasserwerk Beelitzhof II gegenüber dem Werk I fertiggestellt. Ein Maschinen- und Kesselhaus für die Druckpumpenanlage und ein Maschinen- und Kesselhaus für die Vorpumpenanlage mit einem 50 m hohen und einem 20 m hohen Schornstein befanden sich direkt am Wannsee, Reinwasserbehälter, Rieseler und Filter auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Von diesen Gebäuden aus der Anfangszeit sind das Vorpumpenhaus, ein Teil des Rieselergebäudes und, durch Umbauten verändert, die Maschinen- und Kesselhäuser (siehe Bild unten links) erhalten geblieben. 

Das rapide Anwachsen der Vororte Berlins um die Jahrhundertwende machte sich auch im Wasserverbrauch bemerkbar. Von 1894 bis 1905 stiegen die Anforderungen an die Wasserwerke auf das Vierfache. Wegen der Erweiterungen mussten auch neue Brunnen gebohrt werden. Dafür  wurden weitere Grundstücke gebraucht. Laut Vertrag vom 10. Oktober 1901 gehörten den Charlottenburger Wasserwerken 26461 m2 Boden innerhalb der neu erbauten Kolonie Nikolassee. Die Wasserwerke und die Heimstätten AG kauften diesen Grund dem Prinzen Friedrich Leopold ab. Auch Teile der Rehwiese – damals noch unter dem Namen ,,Franzosenwiesen“ oder ,,Kuhfenn“ bekannt – gehörten dazu. Um das aus den Brunnen geförderte Wasser zum Wasserwerk Beelitzhof zu transportieren, wurde 1907 die Vorpumpstation Nikolassee errichtet (Farbfoto von heute und auf dem auf dem Schwarz-Weiß-Foto von ca. 1910 links).  

Fünf Jahre später erhielten die Wasserwerke das Recht, ,,die vorhandenen, den Scharfschen Erben und den Geschwistern Pasewald gehörigen Grundstücke (am Schlachtensee) zur Gewinnung von Wasser, zur Herstellung und Unterhaltung der zur Hebung des Wassers erforderlichen Anlagen sowie zur Legung von Röhren zwecks Überführung des Wassers nach den (...)Wasserwerksanlagen zu benutzen.“ Für diese Nutzungsrechte zahlten die Wasserwerke 500 000 Mark. Für weitere 1 500 000 Mark kauften sie die Grundstücke der ,,Alten Fischerhütte“, die 1890 gebaute Badeanstalt an der Krummen Lanke und weitere Grundstücke an der Krummen Lanke und am Schlachtensee. Noch heute sind diese Seen im Besitz der Berliner Wasser-Betriebe.

Für weitere Brunnenanlagen wurde auch das Gebiet in Richtung Havel einbezogen. Der Zehlendorfer Anzeiger berichtete am 13. April 1912 über einen Vertrag, ,,wonach den Wasserwerken das ganze östliche Havelufer von Beelitzhof bis Tiefwerder zur Anlegung einer Brunnengalerie übereignet wird. Mit diesem Abkommen tragen die Charlottenburger Wasserwerke dazu bei, das schöne Grunewaldufer der Havel dauernd vor der ,baulichen Erschließung‘ zu schützen. Und der Vertrag beweist ferner, dass die Ausdehnung eines Wasserwerkes nicht Befürchtungen bei der naturliebenden Bevölkerung hervorrufen, sondern dass eine solche Expansion auch dem Naturschutz dienen kann.“ Zuvor hatte die Forstverwaltung die Absicht, das ,,Große Fenster“ zu Bebauungszwecken zu verkaufen.

Durch die verstärkte Wasserförderung sank das Grundwasser schnell ab. Das machte sich besonders deutlich beim Wasserspiegel der unteren Grunewaldseen Schlachtensee, Krumme Lanke, Nikolassee und Riemeistersee bemerkbar. Der Wasserspiegel des Schlachtensees lag 1899 bei 32,15 m über N.N., 1912 nur noch bei 29,96 m. Der Nikolassee war 1910 ganz ausgetrocknet, ebenso der Riemeistersee, der heute nur noch unter dem Namen Riemeisterfenn bekannt ist. 

Ein ,,Schutzverband für die Erhaltung der Grunewaldseen“ wurde gegründet. Seine prominenten und einflussreichen Mitglieder setzten sich zum Ziel, das ursprüngliche Landschaftsbild wiederherzustellen. Schon 1911 schrieb der  Architekt Hermann Muthesius an den Landrat von Stubenrauch: ,,Ich meine mit diesen Missständen die Verunstaltung der Landschaft, die die Charlottenburger Wasserwerke durch dort gesetzte Anlagen ihrer Pumpwerke auf der Rehwiese vornehmen. Nicht weit von dem früher vorhanden gewesenen Nicolassee ist ein hässliches Maschinenhaus errichtet, dessen Form zu den heute allgemein anerkannten  Grundsätzen der heimischen Bauweise in schärfstem Widerspruch steht. Seit einigen Wochen ist ein ganzes weiteres Gebiet der Rehwiese direkt unter meinem Hause aufgewühlt, auf welchem die Wasserwerke die Bauarbeiten für eine weitere Ausbreitung ihrer Pumpwerke vornehmen. Tag und Nacht entsendet eine zum Betriebe der Bauarbeiten aufgestellte Lokomotive Rauchwolken, die die Luft verschlechtern und unter denen ich hier persönlich besonders zu leiden habe.“ 

Am 26. Februar 1913 erfolgte endlich der Abschluss eines Vertrags zwischen der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Aktiengesellschaft, wonach sich diese verpflichtete, auf ihre Kosten Havelwasser aus dem Wannsee in den Schlachtensee und die Krumme Lanke einzuleiten, ,,um den zur Zeit niedrigeren Wasserspiegel bis auf die Ordinate + 31,6 m über N.N. zu erhöhen und diese Höhe aufrecht zu erhalten.“ Mit der Auffüllung wurde am 4. März begonnen. Durch weiteres Überpumpen wurde die Krumme Lanke einige Tage später auf die neue Höhenlage des Schlachtensees gebracht. Die Wiederherstellung des Nikolassees wurde 1910 in Angriff genommen (s. Schwarz-Weiß-Foto, weitere beim Klicken auf das Bild). Eine neue Sohle aus dem Bodenaushub der benachbarten Beelitzhofer Bauten wurde angelegt und danach Grundwasser aus dem Pumpwerk Nikolassee auf die Seefläche gepumpt. 

 

Kronprinzessinnenweg 23: Blick auf die Gebäude an der Havel; rechts das alte Rohwasser-Maschinenhaus

Blick auf die gegenüberliegende Straßenseite: im Hintergrund die beiden Beamtenwohnhäuser, die ältestens Wohnbauten im heutigen Nikolassee:

Am Beelitzhof 18 (links) und 20

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den 1950er Jahren, begannen Erweiterungsarbeiten mit dem Ziel, die Kapazität beider Werke im Werk II zu konzentrieren. Diese Baumaßnahmen wurden 1961 abgeschlossen und das alte Werk stillgelegt.

Soviel zu den Anfängen des Wasserwerks Beelitzhof. Heute ist das Einzugsgebiet Wasserschutzgebiet.

 

Soweit diese Zusammenfassung der ersten Jahrzehnte der Wasserwerke Beelitzhof aus der 1988 erschienenen Schrift aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums dieses einzigen Nikolasseer Industriebetriebes. Angaben über das heutige Werk gibt die Homepage, weitere Informationen zur Berliner Grundwasserversorgung und die Grunewaldseen sind hier nachzulesen.

 

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