Zehlendorf-West

 

 

„Fürstenviertel“: Wolzogenstraße . . .

Die vom Urselweg abzweigende Verbindung zur Potsdamer Chaussee hieß bei ihrer Anlegung 1906  Derfflingerstraße nach dem Feldmarschall Georg Reichsfreiherr von Derfflinger (1606–1695). 1937 wurde sie nach Hans Paul Freiherr von Wolzogen (1848–1938), Schriftsteller/Herausgeber und Unterzeichner des Gründungsmanifestes (1928) des antisemitischen Kampfbundes für deutsche Kultur benannt und trägt diesen Naman unverständlicherweise bis heute. Die Bebauung erfolgte überwiegend in den 1920er Jahren. Hervorzuheben ist das markante Wohn- und Gaststättenhaus Nr. 27 an der Ecke zur Potsdamer Chaussee, zugleich das älteste Gebäude in dieser Straße, sowie das unter Denkmalschutz stehende Haus Nr. 17 von Walter Gropius.

 

Nr. 3, erbaut um 1912/13 von J. Krehl, Spez. Baugeschäft für Villen- und Landhausbauten, Inh. Paul Krehl

Nr. 15, Hammsches Haus, erbaut 1911 von Martin Schreiber für Kfm. Hugo E. Hamm

Nr. 17, Haus Otte, erbaut 1921–22 von Walter Gropius für den Rechtsanwalt und Notar Fritz Otte – Baudenkmal

Nr. 20, erbaut um 1908 für den Kaiserlichen Hofrat Richard Mann

Nr. 27/Potsdamer Chaussee 8, Miets- und Geschäftshaus (Gaststätte), erbaut um 1906/07 von Baumeister Felix Liebert

   

Hohenlohestraße (im Vordergrund) mit Abzweig Derfflingerstraße um 1930

. . . und Urselweg

Diese Straße trägt seit 1947 ihren Namen. Ursprünglich verlief sie als Hohenlohestraße (Chlodwig Fürst zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Prinz von Ratibor und Corvey [1819–1901], 1894–1900 Reichskanzler und preuß. Ministerpräsident) entlang der Wannseebahn vom heutigen Mexikoplatz zur Potsdamer Chaussee, in halber Höhe zweigte die Seydlitzstraße (Friedrich Wilhelm von Seydlitz [1721–1773], preuß. General der Kavallerie) bis zur Niklasstraße an der Einmündung zur Potsdamer Chaussee ab. Um 1937 wurde für kommunale Zwecke der bis dahin unbebaute Teil der Hohenlohe- ab Abzweig Seydlitzstraße entwidmet, in das schon gemeindeeigene dreieckige Gelände einbezogen und ein Straßenzug gebildet, der im selben Jahr den Namen Anackerstraße erhielt (Heinrich Anacker [1901–1971], Schriftsteller, NSDAP- und SA-Mitglied, Reichskultursenator).

Die Bebauung beider Straßenteile erfolgte spät, in der Hohenlohestraße ab 1913 und in der Seydlitzstraße 1931 mit dem bis zur Zusammenlegung hier einzigen Haus (heutige Nr. 8), das zugleich das einzige unter Denkmalschutz stehende Gebäude im heutigen Urselweg ist. 2012 wurde der Bebauungplan für das Gelände entlang der Bahn ab Abzweig Wolzogenstraße beschlossen und bis 2015 eine Wohnsiedlung errichtet.

 

Blick von der Kurve in den westlichen Urselweg Richtung Bahnhof Mexikoplatz;

vorn von links Nr. 7 und 6

Nr. 3, erbaut um 1913 für Rentier Karl Meyer

Nr. 8, erbaut 1931/32 von Dr.-Ing. Hans Freiherr von Schleinitz für Dr. chem. Leopold Kirberger – Baudenkmal

   

Mit einem Blick um 1910 von der Mexikoplatz-Südhälfte über die heutige Lindenthaler Allee (links), Dubrowstraße (Mitte) und Matterhornstraße (rechts) auf Schlachtensee-Ost endet der Streifzug durch die Straßen der Villenkolonien an den Bahnhöfen Wannsee, Nikolassee, Schlachtensee und Mexikoplatz.

Auf youtube: S-Bahn-Fahrt Wannsee–Zehlendorf bzw. Mexikoplatz–Wannsee

 

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