Zehlendorf-West

 

Zehlendorf-West Terrain-AG

 

Die heutigen Lindenthaler (einst Linden-) und Argentinische (früher Grunewald-) Allee bilden die Hauptachse der Kolonie Zehlendorf-West. Vor allem die westlich dieses Straßenzuges liegenden Straßen werden auf den folgenden Seiten dargestellt. Dieses Areal ist durch die Wannseebahn und die parallel dazu verlaufende Straße Am Schlachtensee geteilt in das nördlich liegende „Dichterviertel“ und das „Fürsten-Dreieck“ südlich dieser Linie bis zur Potsdamer Chaussee mit Straßen, die größtenteils Verlängerungen der bereits in Schlachtensee-Ost angelegten Wege sind. Der heutige Bahnhof Mexikoplatz bildet den Mittelpunkt der einstigen Villenkolonie Zehlendorf-West. Diese wurde von der 1904 mit einem Kapital von 5 Millionen Goldmark gegründeten Zehlendorf-West Terrain-AG errichtet, an der der damals reichste Mann im Reich, der Großindustrielle Fürst Guido Henckel von Donnersmarck, Hauptaktionär war. Weitere Anteilseigner waren der im Immobiliensektor tätige Adolf Gradenwitz, der Baumeister Robert Donath, Kommerzienrat Georg Fromberg (Bankier) und der Kaufmann/Rentier August Luhn. Ende 1927 fusionierte die Gesellschaft mit der Terraingesellschaft am Neuen Botanischen Garten AG zur Terrain-AG Botanischer Garten-Zehlendorf West und gehörte damit zum Unternehmensverbund von Adolf Sommerfeld.

 

Villen-Kolonie Zehlendorf-West (Kartenausschnitt von 1912)

 

Über ihre Kolonie schreibt die Zehlendorf-West Terrain-Aktiengesellschaft (Berlin W9, Postdamer Str. 6) in einer Broschüre um 1910:

 

„Zehlendorf-West, am schönsten Teile des Grunewalds, unmittelbar an den herrlichen Grunewaldseen (Schlachtensee, Krumme Lanke), ist nicht nur die schönste und vornehmste, sondern auch die der Reichshauptstadt nächstgelegene westliche Villenkolonie, welche unmittelbar an Wald und Wasser liegt. Zehlendorf-West gehört zu der ca. 15000 Einwohner zählenden Gemeinde Zehlendorf, welche geordnete Gemeindeverhältnisse (Steuern wie in Berlin nur 100% inkl. Kreissteuer), Kirchen, Schulen, Gymnasium, Realschule, höhere Töchterschule, Ärzte, Sanatorien, Apotheke und Geschäfte aller Art hat. Die strahlenförmig vom Bahnhof ausgehenden, alleeartigen Straßen der Kolonie sind breit angelegt, haben Gas, Wasserleitungen, elektrisches Licht und sind vollkommen staubfrei, da sie mit Reihensteinpflaster versehen sind. Der mitten in der Kolonie gelegene Bahnhof Zehlendorf-Beerenstraße vermittelt mit ca. 160 Zügen täglich in beiden Richtungen in 5 und 10 Minuten Abstand die Verbindung mit Berlin. Fahrpreis II. Klasse 30 Pf. Bzw. III. Klasse 20 Pf., auch für Schnellzüge. Die Fahrzeit beträgt 26 Minuten für die Vorortzüge, die am Wannseebahnhof einlaufen, aber nur 19 Minuten für die am Potsdamer Hauptbahnhof ankommenden Schnellzüge. Dieser Schnellzugsverkehr wird seitens der Königlichen Eisenbahn-Direktion noch bedeutend erweitert werden. Zehlendorf-West ist mithin schneller erreichbar als z.B. der sogenannte Westen Berlins (Schöneberg, Friedenau, Steglitz, Wilmersdorf) mit der Straßenbahn. Der größte Teil der Kolonie ist mit herrlichem Wald bestanden, der die unmittelbare Fortsetzung des Grunewaldes bildet. Die Luft ist daher besonders rein und gesund. Mitten in der Kolonie liegt der Waldsee, an welchen die Parzellen zum Teil direkt angrenzen. Es ergibt sich aus Vorstehendem, daß man in Zehlendorf-West die Freuden und Annehmlichkeiten des Landlebens genießt, ohne den Komfort der Großstadt zu entbehren. Dieser glückliche Umstand hat es auch bewirkt, daß sich zahlreiche Familien aus den ersten Gesellschaftskreisen in der Kolonie angesiedelt haben. Die geschmackvollen, durchweg von ersten Architekten erbauten Landhäuser geben in ihrer Gruppierung und im Verein mit der originellen und praktischen Straßenanlage ein reizendes Bild, und ist eine Besichtigung der Kolonie deshalb interessant und empfehlenswert.“

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